Exkursion zur Gedenkstätte der Berliner Mauer mit dem Orientierungskurs (Alphabetisierung) am 29.08.2019

Thema im Orientierungskurs war die Berliner Mauer: Wie kam es zum Bau und zum Fall der Mauer, wie war das Leben der Menschen unter diesen Bedingungen?

Ganz allgemein: Für alle Beteiligten – sowohl für die Teilnehmenden als auch für die Kursleiter –, die sich in den Alphabetisierungskursen mit einer niedrigschwelligen Vermittlung von Lerninhalten im Orientierungskurs auseinandersetzen müssen, ist es unumgänglich, das Klassenzimmer zu verlassen und sich an Orte zu begeben, die uns Geschichte erzählen. Zum Glück ist Berlin voll davon. Solche Exkursionen vereinfachen nicht nur die Verständnisarbeit, sondern viel wichtiger hinterlassen sie Eindrücke, die  die eigenen Erfahrungen aus der Heimat mit der jetzigen Lebenssituation von MigrantInnen verknüpfen. Auf diese Art wird deutsche Geschichte näher gebracht und  in einen größeren – über die Grenzen hinausgehenden Kontext gestellt.

Die Gedenkstätte in der Bernauer Straße bietet dazu genügend Anstöße. Jeder, der sie besichtigt, erlebt ein Stück Mauer in ihrer ganzen Kälte und Härte – so wie die Kursteilnehmenden das spontan äußerten. Darüber hinaus bietet der Film im Museum eine Gelegenheit, sich in die Situation noch konkreter hineinzuversetzen, was schon recht beklemmend wirken kann. Das Gespräch in der Gruppe soll optimalerweise vor- und nachher ein Gefühl von Zusammenhalt und Solidarität stärken.

Uns begleitet die Fragestellung: Was denkt ihr über das getrennte Leben von Menschen in einer Stadt?

Ich als Kursleiterin bin ein Berliner Kind der Nachkriegsgeneration (West-Berlin), mein Mann Flüchtling aus der DDR (gelandet im Notaufnahmelager Marienfelder Allee). Schnell verstehen die Teilnehmenden meine persönliche Geschichte, die neben dem Erzählen visuell an der Tafel festgehalten wird. So schaffen wir den Bogen: die Gedanken der Teilnehmenden gehen zu ihren Heimatländern und Deutschland, sie vergleichen Diktatur mit Demokratie. Hier die Gedanken vor und nach dem Besuch:

„In meiner Heimat (Afghanistan) verbieten Taliban Fernsehen und Kino. Die Frauen müssen mit einer Burka gehen und müssen zu Hause bleiben. Frauen dürfen nicht in die Schule. Hier sind Frauen frei.“

„Männer bestimmen über das Leben von Frauen. Das ist nicht richtig.“

„In der Schule (in Syrien) schlugen die Lehrer Kinder, deswegen bin ich nicht mehr in die Schule gegangen.“

„In meiner Heimat (Irak) gab es Saddam Hussein. Der war Diktator und hat Kurden unterdrückt, Menschen haben sich ausspioniert.“

„In Syrien hatte ich ein großes Haus mit sechs Zimmern, hier lebe ich mit meinem Mann und den drei Kindern in einem Zimmer. Das ist schwer. Ich kann nicht für die Schule lernen. Der Krieg hat mein Zuhause kaputt gemacht.“

„Die Mauer macht Angst, ist kalt. Die Familien dürfen sich nicht besuchen, das ist traurig.“

„So lang – 150 km – da darf man nicht spazieren gehen!“

„Die Kontrollen, das Militär, die Hunde – machen Angst.“